Der in Wien geborene Künstler Alexander Karner versteht sich als Vertreter der Postmoderne. Die meisten seiner Werkgruppen zitieren in bewusst eklektizistischer Anlehnung die wichtigsten kunsttheoretischen Einflüsse des 20.Jahrhunderts, im Sinn der Theorie der Postmoderne. Seine scheinbar respektvollen Hommagen geraten jedoch ironisch ins Wanken, wenn er rational eine menschliche “tabula rasa“ postuliert, die jedem Geniekult widersprechen würde. Unreflektiertes, rein handwerkliches Genie sei im 3. Jahrtausend als Kunst abzulehnen. Für Alexander Karner sollte gute Kunst immer in Verbindung mit relevanten gesellschaftspolitischen Themen stehen.

Wenn man seine Arbeiten jedoch betrachtet, hat man das Gefühl einem ganz eigenständigen Werk gegenüber zu stehen, das nicht nur sehr materialbezogen ist, sondern dem auch eine ganz eigene Sprache und Logik inhärent zu sein scheint. Seine Konzepte sind vielschichtig und gut durchdacht, oftmals Transformationen vorangegangener Arbeiten und Entwicklungen.

Die in der Galerie Ursula Stross gezeigten „ReTabuisierungen“ sind nicht nur Stellungnahmen zum aktuellen Diskurs über die differenziert zu betrachtende, sogenannte echte Amateurpornographie im Internet, – sondern sie berühren auch die aktuellen gesellschaftlichen Tendenzen der Wiederkehr von restriktiven Religionen und gesellschaftlichen Retabuisierungen.

Der Weg von der bewussten Aneignung eines Filmstills aus der Amateurpornographie durch eine konkrete Handzeichnung, seiner erkennbaren Fragmentarisierung im Sujet einer sinnlichen Rose (in seiner Werkgruppe der „Rosen auf Metall“), über die Stilisierung als Schlüsselakkumulation, bis zu einer Vielzahl von völlig abstrakten Frottagen in unterschiedlichsten Formaten, die von eben dieser Schlüsselakkumulation abgedruckt wurden, – dieser Weg der Abstraktion kann und soll eben auch als Verschleierung und somit als Tabuisierung verstanden werden.

Bis zum 20.04.2017 geben wir Einblick in eine aktuelle Bildserie.